Available Light Situationen
Sonne lacht, Blende 8 – hinter diesem Kalauer verbirgt sich doch die Wahrheit, dass es mit so gut wie allen Kameras mühelos gelingt, bei ausreichendem Licht gute Fotos zu machen.
Sonne lacht, Blende 8 – hinter diesem Kalauer verbirgt sich doch die Wahrheit, dass es mit so gut wie allen Kameras mühelos gelingt, bei ausreichendem Licht gute Fotos zu machen. Meistens reicht dabei der Vollautomatikmodus, ohne sich mit Dingen wie Belichtungszeit, Blende oder Empfindlichkeit beschäftigen zu müssen.
Anders sieht es jedoch aus, wenn anstatt taghellem Sonnenlicht schummerige Straßenlaternen, dezente Bühnenbeleuchtung oder romantisches Kerzenlicht die Szenerie bestimmen. Verlässt man sich hier auf den Automatikmodus, hat man schlechte Karten: der eingebaute Blitz erschlägt die vorhandene Lichtstimmung, die Bilder werden durch viel zu lange Belichtungszeiten unscharf oder durch extreme ISO-Einstellungen stark verrauscht.
Links: Durch extreme ISO-Einstellungen werden Bilder stark verrauscht.
Rechts: Unverfälschter Lichteindruck des Available Lights.
Always available
In der Fotografie hat sich für die Kunst, auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen nur mit dem vorhandenen Licht zu fotografieren und auf zusätzliche Beleuchtung (z.B. Blitz) vollständig zu verzichten, der Stilbegriff „Available Light“ gebildet.
Dabei gilt es nicht nur, aus der Not eine Tugend zu machen, um überhaupt brauchbare Bildergebnisse zu erzielen, sondern gerade den Reiz und die Atmosphäre einer vorhanden Lichtcharakteristik einzufangen und somit authentische und ausdrucksstarke Bilder zu schaffen.
Die Blitzautomatik „erschlägt“ das schön ausgeleuchtete Motiv.
Neben diesen ästhetischen Entscheidungen für die Available Light Technik gibt es auch rein pragmatische Gründe, sich mit ihr zu befassen. Häufig ist die Verwendung von Blitzlicht nicht gestattet (z.B. Museen, Theater) oder nicht möglich, weil die Blitzreichweite nicht ausreicht.
Auch die Verwendung eines Stativs ist für viele Aufnahmesituationen nicht möglich, erlaubt oder ungeeignet, weil sehr lange Belichtungszeiten für bewegte Motive ungeeignet sind.
Stativ nicht immer erlaubt
In der Available Light Fotografie wird im Gegensatz zur Nachtfotografie häufig auf ein Stativ verzichtet – 30 Sekunden Langzeitbelichtungen sind dabei nicht möglich.
Abb. links: Die Verwendung eines Stativs ist für viele Aufnahmesituationen nicht erlaubt, wie etwa in Museen, Theatern, Freizeitparks usw.
Abb. links: Bild ohne Stativ erstellt.
Advent, Advent...
Gerade die Adventszeit bietet mit ihren Weihnachtsmärken ein ideales Motiv für Available Light Fotografen.

Die Herausforderungen
• die Verschlusszeit darf nicht zu lang sein, um Bewegungsunschärfe zu vermeiden oder das Bild komplett zu verwackeln
• die Lichtquellen führen zu hohen Motivkontrasten
• bei spärlichem Licht versagt gerne der Autofokus
• verschiedene Lichtquellen mit unterschiedlicher Farbtemperatur sorgen für Mischlicht
• hohe ISO-Einstellungen verursachen starkes Bildrauschen
Abb. rechts: No flash permitted !
Nicht jede Kamera ist für die Available Light Fotografie geeignet. Sie sollte zumindest über folgende Features und manuelle Einstellmöglichkeiten verfügen:
• geringes Bildrauschen, so dass auch hohe ISO-Einstellungen genutzt werden können
• manuelle Blitzabschaltung
• manuelle Belichtungseinstellung (Blenden- und Zeitautomatik, am besten auch komplett manuell wählbar)
• lichtstarkes Objektiv (größte Blende z.B. f 2,8)
• manueller Weißlichtabgleich
• manueller Fokus
Die Megapixel-Manie digitaler Kompaktkameras erkauft man sich mit dem Nachteil einer geringeren Lichtempfindlichkeit, sofern bei gleicher Sensorgröße einfach die Pixelanzahl erhöht wird. Häufig tritt schon ab ISO 200 ein stark störendes Bildrauschen auf; denkbar schlechte Voraussetzungen für die Available Light Fotografie.
Der Trend, auf einen optischen Sucher zu verzichten, erschwert eine ruhige Kamerahaltung und in Punkto Lichtstärke des Objektivs müssen ebenfalls Kompromisse gemacht werden. Sofern Kompaktkameras über keinen Bildstabilisator verfügen, der auch Freihandaufnahmen bei längeren Verscherschlusszeiten ermöglicht, ist deren Tauglichkeit für dieses Spezialgebiet nur sehr begrenzt.
In der Einsteigerklasse fehlen zudem häufig manuelle Einstellmöglichkeiten und der Fotograf ist der Programmautomatik ausgeliefert.
Selbst ISO 1600 für SIGMA SD10 und SD 14 kein Problem
Ganz im Gegensatz dazu können digitale Spiegelreflexkameras auf diesem Gebiet ihre Stärken voll ausspielen. Der wesentlich größere Bildsensor ermöglicht rauschfreie Bildergebnisse bei hohen ISO-Werten mit brauchbaren Resultaten selbst bis ISO 1600 wie z.B. bei der SIGMA SD10 und SD 14.
Bei gleicher Blendeneinstellung ermöglicht z.B. eine ISO 800 Einstellung die Verwendung einer 8fach kürzeren Verschlusszeit gegenüber der ISO 100 Einstellung.

DSLR – erste Wahl für Available Light Fotografen
Nicht nur die hohe Lichtempfindlichkeit, sondern auch die Möglichkeit, alle Bildparameter manuell einzustellen und somit volle Kontrolle über das Ergebnis zu haben, machen eine DSLR zum idealen Werkzeug für ambitionierte Fotografen.
Darüber hinaus bieten sie noch viele weitere Systemvorteile:
• Verwendung hochlichtstarker Objektive möglich
• Auch bei schlechten Lichtverhältnissen meist schneller Autofokus, aber auch leichtes präzises manuelles Fokussieren möglich
• Heller und klarer optischer Sucher
• Höhere Dynamik (Belichtungsumfang) für kontrastreiche Motive, wie sie häufig bei der Available Light Fotografie zu finden sind
• RAW-Modus für unkomprimierte Aufnahmen mit optimalen Möglichkeiten zur nachträglichen Bildoptimierung
DSLR Sigma SD14, erste Wahl für Available Light Fotografen.
Auf die Lichtstärke kommt es an
Das hochlichtstarke Standardobjektiv SIGMA 30mm/1,4 EX DC HSM.
Besonders geeignet sind Objektive mit großer maximaler Blendenöffnung. Hierbei haben Festbrennweiten gegenüber Zoomobjektiven Vorteile und bieten Lichtstärken bis f1.4. Zum Vergleich: Ein Standard-Zoomobjektiv bietet beispielsweise eine Lichtstärke von f 4. Dies bedeutet, dass im Vergleich eine 8fach längere Verschlusszeit bzw. 3 höhere ISO-Stufen für einen gleichen Belichtungswert eingestellt werden müssten.
Wie geschaffen für die Available Light Fotografie ist z.B. das hochlichtstarke Standardobjektiv SIGMA 30mm/1,4 EX DC HSM, das für alle gängigen Kameraanschlüsse verfügbar ist. Mit der Lichtstärke von 1,4 liefert es die nötigen Reserven, wenn es um Sie herum düster wird.
SIGMA OS Bildstabilisierung: Objektive mit „eingebautem Stativ“
Abb. links: Das neue Universalzoom SIGMA OS 18-200 F3,5-6,3 DC OS.
Eine Traumkombination für die Available Light Fotografie stellen eine DSLR und ein Objektiv mit Bildstabilisator dar, wie z.B. das neue Universalzoom SIGMA OS 18-200 F3,5-6,3 DC OS.
Diese Technologie benutzt zwei Sensoren im Inneren des Objektives, um vertikale und horizontale Bewegungen der Kamera zu erkennen und kompensiert diese durch das Bewegen einer Linsengruppe. Dadurch wird das Bild stabilisiert und die Gefahr von Bildunschärfen durch Kameraverwacklungen wird auf ein Minimum reduziert.
In der Praxis kann mit OS-Objektiven ca. eine 8fach längere Verschlusszeit verwendet werden. Bewegungsunschärfen lassen sich jedoch nicht vermeiden.
Aufnahmetipp: Belichtungseinstellung beachten

Grundsätzlich muss man eine Belichtungseinstellung wählen, die verwacklungsfreie Aufnahmen ermöglicht.
Dazu bietet es sich meist an, in der Zeitautomatik (A-Modus) zu fotografieren und als Blende die größte Öffnung vorzuwählen.
Die Belichtungsmessung

Für die Ermittlung der richtigen Belichtung bietet sich die Spotmessung an. Häufig beherrschen starke Beleuchtungskontraste die Szenerie und das Hauptmotiv muss gezielt angemessen werden. Achten Sie vor allem darauf, dass die hellen Bildbereiche (Lichter) nicht überbelichtet werden und ausfressen.
Die Empfindlichkeit
Verwendete man früher hochempfindliches teures Filmmaterial, hat man es bei der Digitalfotografie einfacher. Bei allen aktuellen DSLR-Kameras kann bedenkenlos bis ISO 800 gegangen werden.
Testen Sie am besten die Bildqualität ihrer Kameras bei den verschiedenen ISO-Einstellungen und entscheiden Sie, welche Qualitätsstufe für den Verwendungszweck des Fotos noch vertretbar ist. In der Praxis ist es so, dass gerade bei der Available Light Fotografie ein gewisses Bildrauschen in Kauf genommen wird und sogar zur Charakteristik einer Low-Light-Szene passt.
Ein gewisses Bildrauschen muss zuweilen in Kauf genommen werden.
Bewegen sich die Verschlusszeiten im kritischen Bereich für scharfe Aufnahmen, kann folgender Trick helfen: Schalten Sie die Kamera in den Serienbildmodus. Dadurch werden mit denselben Einstellungen mehrere Bilder aufgenommen und die Chance steigt, dabei ein brauchbares, scharfes Bild zu erhalten. Darüber hinaus entfällt dadurch die Gefahr des Verreißens beim Auslösen.
Auch die Belichtungsreihen-Funktion kann sich sehr nützlich erweisen. Gerade bei den schwierigen und auch schnell wechselnden Lichtverhältnissen ist es nicht leicht, auf Anhieb die optimale Belichtung einzustellen oder schnell zu ändern.
Wird mit Stativ fotografiert, lassen sich die mit einer Belichtungsreihe aufgenommenen Bilder nachträglich am Computer so zusammenfügen und gezielt überblenden, dass ein höherer Kontrastumfang aufgenommen werden kann.
Weißlichtabgleich
Besonderes Augenmerk gilt bei der Available Light Fotografie auch dem Weißlichtabgleich.
Jede Lichtquelle hat ihre eigene Farbe, und gerade das Zusammenspiel der verschiedenen Lichtarten und Lichtcharakteristiken macht einen Reiz der Available Light Fotografie aus.
Der automatische Weißlichtabgleich berücksichtigt dies in der Regel nicht; eine manuelle Einstellung lässt es hingegen zu, die vor Ort herrschende Farbstimmung originalgetreu zu erfassen.
Wie geschaffen für diesen Zweck ist wiederum das RAW- Format, denn hierbei lässt sich auch im Nachhinein am Computer die optimale Weißlichtabgleicheinstellung vornehmen.
Oben: Der Weißlichtabgleich in „kaltlicht“.
Unten: Der Weißlichtabglech in „warmlicht“.
Etwas Übung gehört dazu, bei Freihandaufnahmen die Kamera ruhig zu halten. Auch hier bieten SLR-Kameras aufgrund deren Größe und Gewicht klare Handling-Vorteile gegenüber Kompaktkameras.
Mit welcher längsten Verschlusszeit noch scharfe Aufnahmen gelingen, ist bei jedem Fotografen anders. Hilft auch der altbekannte Tipp, vor dem Drücken des Auslösers ruhig auszuatmen nicht weiter, sollte man versuchen, sich irgendwo abzustützen und so für eine ruhige Kamerahaltung zu sorgen.
Bewährt haben sich auch die kleinen Helfer wie Einbeinstative oder Klemmstative, die leicht mitzunehmen sind und somit das Mitschleppen eines schweren und sperrigen Stativs überflüssig machen.
Nachbearbeitung
Speziell für die unter schwierigen Lichtverhältnissen entstandenen Fotos erfordern häufig gezieltes Nachbearbeiten.
Beispielhaft sollen hier zum Abschluss noch zwei äußerst nützliche Bearbeitungsoptionen erwähnt werden:
• Tiefen/Lichter-Funktion von Adobe Photoshop CS
Diese mit der Version CS eingeführte Funktion ermöglicht das gezielte Aufhellen der Schatten bzw. die Korrektur der Tonwerte in den Lichtern. Anders als bei der reinen Gradations- und Tonwertkorrektur lassen sich die Lichter und Schatten selektiv korrigieren, ohne dass Tonwertverluste auftreten.

Inzwischen sind eine Vielzahl von so genannten Rauschentfernungs-Tools verfügbar, die dem bei hohen ISO-Einstellungen auftretenden Bildrauschen erstaunlich gut entgegenwirken können.
Teilweise lassen sich kameraspezifische „Rausch-Profile“ erstellen, mit denen eine sehr ausgeklügelte Korrektur ermöglicht wird. Beispiele für bekannte Programme sind beispielsweise NeatImage und NoiseNinja.


















