Mit der Sigma BF und dem 35mm F1.4 DG II | Art durch Rovinj & Pula

Sigma BF
Sigma 35mm F1.4 DG II | Art
Von Stefan Lauterbach

Die Sigma BF hatte ich bereits im vergangenen Jahr für einige Wochen im Einsatz, damals hauptsächlich mit dem 50mm der I-Serie. Dieses Mal bekam ich sie erneut zum Testen – zusammen mit dem neuen Sigma 35mm F1.4 DG II | Art, auf das ich besonders gespannt war. Mit dieser Kombination ging es nach Kroatien, durch die Gassen von Rovinj und Pula und schließlich auch ans Meer. 

 

Kein reiner Fototrip, sondern ein gemeinsamer Urlaub mit meiner Partnerin. Die Zeit für Street Photography war also begrenzt – und vielleicht war genau das ganz gut. Ich habe die Zeit genutzt, die da war, und mich auf das konzentriert, was mir vor Ort begegnet ist. 

 

Wieder zurück mit der BF

 

Die BF kannte ich natürlich schon aus meinem ersten Test. Ich war kurz aus der Bedienung raus, aber genauso schnell wieder drin. Das reduzierte Konzept funktioniert für mich nach wie vor sehr intuitiv – nach kurzer Zeit konnte ich mich wieder ganz aufs Fotografieren konzentrieren.

 

Ein Hingucker ist die BF weiterhin. Nicht weil sie besonders groß oder auffällig wäre – gerade mit den kleineren Objektiven der I-Serie ist sie angenehm kompakt. Es ist vielmehr das ungewöhnliche und reduzierte Design, das immer wieder neugierige Blicke auf sich zieht. 

35mm – Nähe, Distanz und viel Raum dazwischen

 

Besonders interessiert hat mich diesmal das neue 35mm F1.4 DG II | Art. Die Vorgängerversion kannte ich noch aus früheren Zeiten und war entsprechend gespannt auf die neue Version. Technisch liefert das 35mm jede Menge Schärfe.

 

Viel spannender ist für mich aber die Bildwirkung: Die Bilder haben eine wunderschöne Plastizität und räumliche Tiefe, ohne dabei klinisch zu wirken. Dazu kommen tolle Farben und ein sehr schneller Autofokus. Gerade zusammen mit der BF hat mir das richtig gut gefallen. 

Die F1.4 spielte für mich bei diesen Aufnahmen kaum eine Rolle. Bei dem hellen kroatischen Sommerlicht war ich meistens deutlich weiter geschlossen unterwegs, häufig sogar bei Blende 8. Das passte aber ohnehin zu dem, was ich fotografieren wollte: Licht und Schatten, verschiedene Ebenen und Situationen, in denen nicht nur ein einzelnes Motiv freigestellt wird.

 

Mit den 35mm war ich schnell wieder vertraut. Die Brennweite gibt mir ein schönes Verhältnis zwischen Nähe und Distanz. Gerade in den engen Gassen konnte ich genug von einer Situation und ihrer Umgebung einfangen und gleichzeitig nah an den Menschen und kleinen Momenten bleiben. Für mich ist das einfach eine sehr universelle Brennweite.

 

Das 35mm Art ist natürlich kein winziges Objektiv. Für ein lichtstarkes F1.4 Art kommt es aber erstaunlich kompakt daher. An der kleinen BF merkt man Größe und Gewicht bei längeren Runden trotzdem – für mich war die Kombination aber noch gut tragbar. Viel größer oder schwerer würde ich für Street Photography an der BF allerdings nicht gehen wollen. 

Durch die Gassen von Rovinj

 

Rovinj bot für diese Kombination ziemlich ideale Bedingungen: enge Gassen, kräftige Farben, kleine Durchgänge und überall dieses Wechselspiel aus Licht und Schatten.

 

Ein Teil der Bilder entstand einfach beim gemeinsamen Schlendern durch die Stadt. Ein anderes Mal bin ich morgens gegen neun Uhr für ein paar Stunden alleine losgezogen. Wirklich kühl war es da allerdings auch nicht mehr – und selbst morgens war das Licht erstaunlich hart. Genau das hat mir aber gefallen. 

Statt das harte Licht zu vermeiden, habe ich versucht, es bewusst einzusetzen: kleine Lichtinseln zu finden, Menschen darin zu platzieren oder mit den tiefen Schatten und den kräftigen Farben der Häuser zu arbeiten. Gleichzeitig habe ich immer wieder versucht, mehrere Ebenen aufzubauen – durch Spiegelungen, Vordergründe oder verschiedene Personen innerhalb einer Szene.

 

Dabei hatte ich die Belichtungskorrektur direkt auf dem kleinen Status-Monitor liegen und habe häufig um ein bis zwei Stufen unterbelichtet. So konnte ich den starken Kontrast schon bei der Aufnahme sichtbar machen und gleichzeitig verhindern, dass die sehr hellen Lichtbereiche zu stark ausfressen. 

Pula – wenn die Mittagssonne doch etwas bringt

 

In Pula hatten wir zeitlich weniger Spielraum. Dort waren wir ausgerechnet um die Mittagszeit unterwegs – bei Temperaturen, bei denen man eigentlich lieber irgendwo im Schatten sitzt. Oder noch besser: direkt am Meer.

 

Die Sonne stand hoch, die Kontraste waren hart und die Schatten entsprechend tief. Aber genau daraus entstanden interessante Situationen. Statt gegen das Licht zu arbeiten, habe ich geschaut, was es mit der Stadt macht: harte Kanten, große Schattenflächen und einzelne Menschen, die für einen kurzen Moment durch das Licht laufen.

 

Die Ergebnisse sprechen für mich dafür, dass man eben nicht immer auf das vermeintlich perfekte Licht warten muss. 

Und dann doch ans Meer

 

Nach so einem heißen Tag landet man irgendwann zwangsläufig dort, wo man eigentlich schon die ganze Zeit sein möchte: am Wasser. Und auch dort blieb die BF dabei.

 

Aus den Gassen wurde plötzlich eine ganz andere Art von Street Photography: Menschen beim Baden, Springen und Entspannen, kleine Situationen am Wasser und wieder diese Mischung aus Beobachten und Reagieren. 

Gerade hier zeigte sich für mich noch einmal, wie universell die 35mm funktionieren. Ich konnte etwas weiter entfernt beobachten, aber genauso gut näher an eine Situation herangehen. Und auch fotografisch war es schön, nach den engen Gassen plötzlich mehr Raum im Bild zu haben. 

Fazit – einfach fotografieren

 

Vielleicht ist genau das am Ende das, was mir an der BF auch beim zweiten Mal wieder am meisten gefallen hat: Man denkt erstaunlich wenig über die Kamera nach.

 

Das klingt zunächst vielleicht banal, ist für mich aber eine ziemlich große Stärke: Einschalten, sehen, reagieren, fotografieren. Das reduzierte Bedienkonzept funktioniert für mich nach wie vor erstaunlich gut und macht einfach Spaß. 

 

Mit dem 35mm F1.4 DG II | Art hat die BF diesmal noch einmal einen anderen Charakter bekommen als bei meinem ersten Test mit dem 50mm. Die Kombination ist nicht ganz so kompakt wie mit den kleineren Objektiven der I-Serie, dafür hat mich die Bildwirkung des 35ers umso mehr begeistert. Vor allem die räumliche Tiefe, die Plastizität und die Vielseitigkeit der Brennweite haben sehr gut zu der Art gepasst, wie ich in Kroatien fotografieren wollte. 

Am Ende war es ein gemeinsamer Urlaub, keine Fotoreise. Die Zeit zum Fotografieren war begrenzt und die Bedingungen waren nicht immer ideal. Vielleicht sind aber gerade deshalb Bilder entstanden, die ich sonst so nicht gemacht hätte.

 

Und genau dafür nehme ich eine Kamera schließlich mit: rausgehen, sehen, ausprobieren – und möglichst wenig darüber nachdenken müssen, was zwischen mir und dem Bild passiert. 

ABOUT

Street-Fotograf

Stefan Lauterbach lebt in Frankfurt am Main und fotografiert Street Photography bei Tag und Nacht meist in Frankfurt, aber überall dort, wo er sich bewegt, von Stadt bis Strand. Er hält ungestellte Momente des Alltags fest und verdichtet sie zu Bildern mit dokumentarischem Blick und grafischer Klarheit, geprägt von Farbe, verfügbarem Licht, Schatten und Reflexionen. Seine Fotos sollen Geschichten erzählen und Fragen aufwerfen. Neben seiner eigenen fotografischen Arbeit gibt er Workshops in Frankfurt.