Tanzfotografie im Home-Studio
Sigma 17-40mm F1.8 DC | Art
Von Carolin Thiergart


Das Sigma 17-40mm F1.8 DC | Art auf kleinem Raum
Seit rund einem Jahr begleitet mich das Sigma 17-40mm F1.8 DC | Art bei nahezu jedem Tanzshooting. Schnell wurde es zu meinem Standardobjektiv, denn die Brennweiten passen perfekt zu dynamischen Bewegungen und ausdrucksstarken Perspektiven. Eine Eigenschaft habe ich allerdings erst in den vergangenen Monaten beim Aufbau meines Home-Studios besonders schätzen gelernt: Das Sigma 17-40mm F1.8 DC | Art spielt seine Stärken auch auf engstem Raum aus.
Kaum ein Fotogenre stellt so hohe Anforderungen an den verfügbaren Platz wie die Tanzfotografie. Große Bewegungen benötigen Freiraum für das Model ebenso wie für die fotografierende Person. Outdoor spielt der verfügbare Platz meist keine Rolle. Im Home-Studio oder in kleinen Räumen sieht das jedoch ganz anders aus.






Um die Brennweiten des Sigma 17-40mm F1.8 DC | Art greifbar zu machen, entstanden die Ergebnisse dabei nicht in einem professionellen Mietstudio, sondern in meinem improvisierten Home-Studio im Wohnzimmer. Gerade deshalb sind die räumlichen Bedingungen interessant: Mit einer Breite von 3,40 Metern und einer Länge von 5,35 Metern bietet der Raum deutlich weniger Bewegungsfreiheit als ein klassisches Fotostudio. Die 2,72 Meter breite Hintergrundrolle nimmt dabei nahezu die gesamte nutzbare Raumbreite ein.
Für den Test darf natürlich auch das passende Model nicht fehlen. Alexandra Chala ist international als Kontorsionistin, Handstandartistin und Luftakrobatin am Luftring tätig und tritt in Theaterproduktionen, bei Firmenveranstaltungen sowie auf Kreuzfahrtschiffen auf. Alexandra bringt Bewegungen mit, die den verfügbaren Raum optimal auf die Probe stellen. Genau das machte sie zur idealen Testperson für dieses Shooting.






Besonders spannend war für mich die Frage, wie sich das Objektiv unter diesen Bedingungen schlägt und wie viel fotografische Freiheit trotz des begrenzten Platzes erhalten bleibt. Meine Zweifel hatte ich besonders bei Posen wie dem Spagat. In der Tanzfotografie möchte man vermeiden, dass Teile von Füßen oder Händen abgeschnitten sind. Bereits nach den ersten Motiven waren diese Zweifel verschwunden. Um die Platzverhältnisse zusätzlich zu verdeutlichen, haben wir zum Abschluss sogar eine 2,27 Meter hohe Leiter mit ins Bild genommen. Selbst damit blieb ausreichend Raum, um Alexandra vollständig in verschiedenen Posen zu fotografieren.
Je nach Pose und Bewegungsablauf arbeite ich mit einem Abstand von etwa zwei bis vier Metern zum Model. Die Octabox hängt auf rund 2,40 Metern Höhe, das Konturlicht steht mangels Platzes auf einem Regal an der Seite. Lediglich die Altbau-Deckenhöhe von 3,60 Metern spielt mir etwas in die Karten. Ansonsten musste ich an mehreren Stellen improvisieren - insbesondere für seitliches Licht bleibt nur wenig Raum. Genau diese alltäglichen Einschränkungen machen den Test für mich jedoch besonders aussagekräftig.
Tipp: Wer lediglich eine Deckenhöhe von etwa 2,40 Metern zur Verfügung hat, kann das Hauptlicht auch seitlich oder leicht erhöht in einem Winkel von etwa 45 Grad zur Kamera platzieren und so ebenfalls sehr harmonische Ergebnisse erzielen.






Warum gerade 17-40 mm?
Der überwiegende Teil der Aufnahmen entstand bei einer Brennweite von rund 30 mm. Dieser Bereich hat sich für mich als idealer Kompromiss erwiesen: Er ermöglicht natürliche Perspektiven und stellt Körperlinien sauber dar. Gerade in der Tanz- und Artistikfotografie stehen die Bewegungen und Formen der Tänzerin für mich im Mittelpunkt.
Besonders interessant war für mich jedoch die Erkenntnis, dass ich die 17 mm während des Shootings kaum ausreizen musste. Obwohl der Platz bereits begrenzt war, blieb im Weitwinkelbereich noch ausreichend Reserve. Das zeigt, dass sich vergleichbare Aufnahmen sogar in noch kleineren Räumen realisieren lassen, ohne Kompromisse bei der Bildgestaltung eingehen zu müssen.






Die 40-mm-Endbrennweite nutze ich dagegen vor allem für Portraits oder ruhigere, platzsparende Posen. Der große Vorteil liegt für mich in der Flexibilität: Während eines Shootings kann ich ohne Objektivwechsel nahtlos zwischen dynamischen Ganzkörperaufnahmen und engeren Portraits wechseln. Gerade bei wechselnden Outfits oder kurzen Umbaupausen spart das Zeit und sorgt für einen flüssigen Arbeitsablauf.
Im Studio fotografiere ich zwar nicht mit Offenblende F1.8, da ich für eine ausreichende Schärfentiefe etwas weiter abblende. Für mich ist deshalb der vielseitige Brennweitenbereich des Objektivs wichtiger als die maximale Lichtstärke. Dennoch bietet F1.8 zusätzliche Reserven, die ich in einem kommenden Home-Studio-Shooting bei Tageslicht gezielt testen möchte.






Das Shooting mit Alexandra hat mir gezeigt, dass gute Tanzfotografie nicht zwangsläufig ein großes Studio voraussetzt. Entscheidend ist vielmehr, den vorhandenen Raum sinnvoll zu nutzen und ein Objektiv einzusetzen, dessen Brennweitenbereich genau zu dieser Situation passt. Das Sigma 17-40mm F1.8 DC | Art ist aufgrund seiner Flexibilität nicht nur draußen, sondern inzwischen auch im Home-Studio meine erste Wahl.
ABOUT
Tanzfotografin
Carolin Thiergart lebt und arbeitet u.a. als freiberufliche Tanzfotografin in Berlin. Ihre Begeisterung fürs Tanzen entdeckte sie schon in ihrer frühen Kindheit. Nach über 10 Jahren Balletterfahrung entdeckte sie 2015 die Fotografie für sich. Seit 2019 fotografiert Carolin hauptsächlich Tanz, mit dem Schwerpunkt Ballett, Contemporary Ballett und Zirkusartistik. Dabei macht ihr vor allem das gemeinsame kreativ sein mit anderen Künstler:innen Spaß.