Zwischen Reduktion und Intuition. Unterwegs mit der Sigma BF

Sigma BF
Sigma 28–105mm F2.8 DG DN | Art
Sigma 24mm F2 DG | Contemporary
Sigma 35mm F2 DG | Contemporary
Sigma 45mm F2.8 DG | Contemporary
Von Patrice Michellon

Manche Kameras beeindrucken durch ihre technischen Möglichkeiten. Andere schaffen es, dass man einfach wieder mehr fotografieren möchte.
Die Sigma BF gehört für mich zur zweiten Kategorie.
 
Einen Monat lang hat sie mich durch Paris, Wien und München sowie an die französische Atlantikküste begleitet. Dabei fotografierte ich Architektur, urbane Szenen, Menschen und Details – immer auf der Suche nach Formen, Farben, Licht und den kleinen Dingen, die unterwegs meine Aufmerksamkeit wecken.

Weniger Ablenkung, mehr Sehen

 
Die BF verfolgt einen ungewöhnlich reduzierten Ansatz. Wenige Bedienelemente, eine klare Benutzeroberfläche und ein Gehäuse, das fast eher wie ein Designobjekt als wie eine klassische Systemkamera wirkt.
 
Nach kurzer Zeit merkte ich, dass genau diese Reduktion meine Art zu fotografieren beeinflusste.
 
Ich beschäftigte mich weniger mit der Kamera und stärker mit dem, was vor mir passierte: der Wiederholung von Linien an einer Fassade, einem Schatten, einer ungewöhnlichen Farbkombination oder einem kleinen Detail, das sich plötzlich aus seiner Umgebung löste.
 
Gerade unterwegs empfand ich das als angenehm. Die Kamera ließ mir Raum, intuitiv auf eine Situation zu reagieren, ohne meinen Blick ständig durch technische Entscheidungen zu unterbrechen.

Von der Architektur bis zum Detail

 
Die meiste Zeit verwendete ich drei kompakte Objektive der Sigma I-Series: das 24mm F2 DG | Contemporary, das 35mm F2 DG | Contemporary und das 45mm F2.8 DG | Contemporary.
 
Mit dem 24mm suchte ich vor allem nach Architektur, Raum und starken geometrischen Strukturen. Das 35mm wurde zu meiner vielseitigsten Brennweite für den Alltag, während mir das 45mm gefiel, wenn ich einen Ausschnitt etwas stärker verdichten wollte.
 
Eine deutlich weniger offensichtliche Ergänzung war das Sigma 28-105mm F2.8 DG DN | Art.
 
Auf der kompakten BF wirkt diese Kombination zunächst fast widersprüchlich. Genau das machte sie für mich interessant.
 
Mit dem 28-105mm änderte sich meine Distanz zu den Motiven. Statt eine Szene als Ganzes zu betrachten, konnte ich Details isolieren, Strukturen entdecken oder Formen aus ihrer Umgebung herauslösen. Eine Pflanze, eine Oberfläche oder ein entferntes Element wurde plötzlich selbst zum Motiv.
 
Dieser Wechsel zwischen Weite und Nähe hat meine Arbeit mit der BF vielleicht stärker geprägt als eine bestimmte Brennweite.

Farbe, Kontrast und Schwarzweiß

 
Auch die unterschiedlichen Farbmodi der BF passten gut zu dieser Art zu fotografieren.
 
Manche Situationen funktionierten für mich über intensive Farben – andere fast ausschließlich über Form, Licht und Kontrast. Gerade bei Architektur merkte ich, wie stark Schwarzweiß den Blick auf Linien und Flächen reduzieren kann.
In anderen Momenten waren es dagegen genau die Farben, die mich zum Fotografieren brachten: eine rosa Fassade mit grünen Fensterläden, das Rot eines Neonlichts oder das warme Orange eines Sonnenuntergangs über dem Atlantik.
 
Die Entscheidung für Farbe oder Schwarzweiß wurde dadurch weniger zu einer Frage der Nachbearbeitung als zu einem Teil des Sehens selbst.

Eine Kamera, die zum Fotografieren einlädt

 
Die BF ist für mich keine Kamera, die alles andere ersetzen soll.
 
Es gibt Situationen, in denen ich einen Sucher, Bildstabilisierung oder die größere Flexibilität eines klassischen Kamerasystems bevorzuge.
 
Aber darum geht es bei der BF für mich auch nicht.
 
Ihre Stärke liegt vielmehr darin, dass sie unkompliziert genug ist, um häufig dabei zu sein – und ungewöhnlich genug, um Lust darauf zu machen, sie tatsächlich zu benutzen.
Nach mehreren Wochen mit ihr blieb deshalb vor allem ein Eindruck zurück:
 
Je weniger ich über die Kamera nachdachte, desto mehr begann ich, meine Umgebung zu beobachten.
 
Linien. Farben. Licht. Menschen. Kleine Details.
 
Und manchmal ist genau das alles, was man braucht, um ein Bild zu finden.

ABOUT

Architektur- und Fine-Art-Fotograf

Patrice Michellon ist ein deutsch-französischer Fotograf und lebt in München. Seit 2015 widmet er sich der Architektur-, Stadt- und Porträtfotografie, wobei ihn besonders das Zusammenspiel von Licht, Farbe und Geometrie fasziniert. Von der stillen Symmetrie unterirdischer Bahnhöfe bis zu ausdrucksstarken Gesichtern offenbaren seine sorgfältig komponierten Bilder den Charakter von Orten und laden dazu ein, vertraute Umgebungen aus einer neuen Perspektive zu entdecken.