(Astro-)Fotografie auf Reisen

Sigma 14mm F1.4 DG | Art
Von Stefan Liebermann

Als Landschaftsfotograf mit dem Schwerpunkt auf Astrofotografie reise ich, um die Welt und um Landschaften im neuen Licht einzufangen. Dieses Jahr war das Sigma 14mm F1.4 DG | Art mein Reisebegleiter, und in diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen.

 

Als ich das Objektiv das erste Mal in der Hand hielt, war ich beeindruckt von der Größe und vom Gewicht. Nein, es ist kein kleines und leichtes Objektiv, aber da es eine extrem weit geöffnete Blende von F1.4 besitzt, ist das nicht verwunderlich. Andere vergleichbare Linsen besitzen Offenblenden von F1.8. Auf dem ersten Blick erscheint das nicht nach einem großen Unterschied, aber wenn man sich bewusst macht, dass 66.67 % mehr Licht durch eine F1.4 Blende als durch eine F1.8 Blende auf den Kamerasensor gelangt, klingt es dann doch schon sehr verlockend für die Astrofotografie! 

 

Nun stellt sich die Frage, lohnt sich dieser Kompromiss von Gewicht und Größe in Bezug auf eine höhere Lichtausbeute? Nach einigen Monaten auf Reise kann ich klar sagen: Ja! Man kommt mit dem Sigma 14mm F1.4 DG | Art auch während der Nacht zu dem, was uns Fotografen am meisten Spaß macht: dem Fotografieren!

In den Norden Norwegens

 

Angefangen hat das Abenteuer auf den Lofoten. Zu Beginn des Jahres reiste ich nach Nordnorwegen, um auf Fotoreisen zusammen mit meinen Teilnehmern Nordlichter zu jagen. Am Strand von Skagsanden hatten wir Glück, und das Potenzial der Linse zeigte sich. Schon die Testaufnahme, um überhaupt zu sehen, wie sich die Nordlichter bewegen, überzeugt. Mit einer offenen Blende von F1.4 können kurze Belichtungszeiten, hier von 2.5 Sekunden, realisiert werden, was zum „Einfrieren“ der dynamischen Nordlichter führt. Würde man länger belichten, wären die Strukturen unscharf. Selbst mit Blende F1.4 ist die Aufnahme über die Nordlichter bis zum Vordergrund scharf abgebildet, und die Vignettierung hält sich in Grenzen.

 

Nach der Testaufnahme bin ich nach unten zum Strand von Skagsanden gegangen. Es war purer Spaß, die reflektierenden Nordlichter auf dem dünnen Wasserfilm der zurücklaufenden Wellen zu fotografieren. Bis die nächste Welle kommt und die Reflexion zerstört, bleiben nur wenige Sekunden, und mit einer Belichtungszeit von 2 Sekunden bei voll geöffneter Blende lässt sich die Szenerie wunderbar einfangen. Die Nordlichter fingen nun an, am gesamten Himmel zu tanzen. Durch F1.4 und 14mm lassen sich mehrere kurze Belichtungen mit unterschiedlichem Blickwinkel aufnehmen und zu einem Panorama zusammenfügen, um die gesamte Szenerie einzufangen. Nach etwas Übung gelang mir das, und ich bin mit dem Ergebnis zufrieden.

Auf nach Island

 

Ich genoss so sehr die Zeit, die dynamischen Nordlichter am Strand mit der schnellen Linse zu fotografieren, dass ich mich entschied, direkt im Anschluss nach Island zu reisen. Dort begab ich mich zum Vestrahorn, einem markanten Berg auf Ostisland mit vorgelagertem Strand. Hier hatte ich erneut Glück mit den Nordlichtern und konnte die Panoramafotografie mit der unglaublich schnellen Linse an die Spitze treiben. Nach einem einreihigen Panorama, bei dem die Nordlichter trotz 14mm und Panorama nicht komplett eingefangen werden konnten, entschied ich mich, ein dreireihiges Panorama, bestehend aus 15 Einzelfotos mit einer Belichtungszeit von 2.5 Sekunden, aufzunehmen. Das klingt unglaublich, wenn man bedenkt, dass man nur wenig Zeit hat, bis die nächste Welle kommt, und das während der Nacht. Aber mit dem 14mm und viel Probieren sowie nassen Füßen ist es mir schlussendlich gelungen. Das zusammengefügte Panorama zeigt die gesamten Nordlichter über dem Vestrahorn und die reflektierten Nordlichter am Strand im Vordergrund. Phänomenal! Wie bereits erwähnt, ist die Linse ein purer Genuss, weil man wieder mehr Zeit mit dem Probieren, also dem Fotografieren, verbringt.

Sternenhimmel in Namibia

 

Das Sigma 14mm F1.4 hat seine unglaubliche Schnelligkeit bei gleichzeitiger Schärfe und geringer Vignettierung bei den Nordlichtern eindrucksvoll unter Beweis gestellt, doch wie schlägt es sich, wenn es darum geht, den Sternenhimmel mit Milchstraße aufzunehmen? Dafür habe ich die Linse mit nach Namibia genommen. Namibia ist bekannt für seine Wüsten und ist deshalb perfekt für die Astrolandschaftsfotografie geeignet. Ich habe mich zur Spitzkoppe, dem Matterhorn Namibias, begeben, da dort ein imposanter Felsbogen einen interessanten Vordergrund bildet. Angekommen sehe ich, dass das Milchstraßenzentrum direkt über dem Felsbogen steht. Mit einer Blende von F1.4 lässt sich eine Aufnahme machen, bei der der Vordergrund ausreichend belichtet ist, aber gleichzeitig die Sterne aufgrund der Erdrotation keine Strichspuren bilden. Es ist also möglich, einfach zu fotografieren, ohne kompliziert mit Bildbearbeitungssoftware den Vordergrund und den Nachthimmel zu stacken oder auszutauschen. So etwas liebe ich, und meine Fotogruppe und ich konnten uns am Fotospot kreativ austoben und schlussendlich ein einzigartiges Gruppenbild machen. Wir stehen alle gemeinsam im leicht beleuchteten Felsbogen und über uns das Milchstraßenzentrum.

Alles in einer einzigen Aufnahme! Ich habe eine Belichtungszeit von 30 Sekunden bei ISO 5000 gewählt und bin begeistert von der Abbildungsqualität, da Vordergrund und Sternenhimmel selbst bei komplett offener Blende von F1.4 sehr scharf und detailliert abgebildet sind. Es ist eine hervorragende Linse, um die Faszination der Astrofotografie mit anderen zu teilen. Auch in der Astrolandschaftsfotografie kann man den Bildwinkel mit der Panoramafunktion erhöhen, und so lässt sich im Anschluss die komplette Milchstraße als sogenannter Milchstraßenbogen über dem Steinbogen festhalten. Ganz ohne komplizierte Bildbearbeitung, nur mit Adobe Lightroom, wird das Panorama, bestehend aus 6 Einzelaufnahmen, automatisch zusammengesetzt. Auch hier bin ich wieder begeistert von der Schärfentiefe bei F1.4. Das Sigma 14mm F1.4 DG | Art macht einfach Spaß und ist bestens für die Astrolandschaftsfotografie geeignet.

White Pocket in Arizona

 

Im Anschluss habe ich die Linse auf einen Ausflug nach White Pocket in Arizona, USA, mitgenommen. White Pocket ist eine faszinierende geologische Formation, die einen absoluten Traum für die Landschaftsfotografie darstellt. Mit der Linse konnte ich dank des ultraweiten Bildwinkels von 114.2° das erste Licht auf White Pocket mit der gleichzeitigen Reflexion in einer Pfütze aufnehmen. Zusätzlich ließ sich auch die Landschaft während der Nacht eindrucksvoll festhalten. Dabei steht das Milchstraßenzentrum über einer abstrakten Felsformation und wird auch wieder in einer Pfütze reflektiert.

Schlussendlich hat mich das Sigma 14mm F1.4 DG| Art durch den großen Bildwinkel bei gleichzeitig extrem offener Blende überzeugt. Es eignet sich dadurch für die normale Landschaftsfotografie und vor allem für die Astrofotografie. Ich hatte noch nie eine Linse, die mir dabei so viel Spaß bereitete. Ohne lange während der Nacht an einem Ort zu stehen, um mehrere Aufnahmen separat aufzunehmen, reichen Einzelaufnahmen durch die unglaubliche Schärfentiefe bei offener Blende komplett aus, und ich konnte die Zeit nutzen, um kreative Kompositionen zu finden und einfach Spaß an der Fotografie zu haben. Das 14mm wird auf meinen Reisen immer einen Platz in meinem Fotorucksack haben.

ABOUT

Stefan Liebermann

Landschafts- und Nachtfotograf

Stefan Liebermann ist international prämierter Landschafts- und Nachtfotograf. Er studierte Physik an der Technischen Universität Ilmenau mit Schwerpunkt Optik und verbindet seit 2015 seine Leidenschaft für Fotografie und Reisen. Durch frühe Reisen in verschiedene Länder entwickelte er eine enge Verbindung zur Natur. Sein physikalisches Fachwissen ermöglicht ihm ein tiefes technisches Verständnis von Kameras, Objektiven und fotografischen Prozessen.