Handling, Gewicht und Wildlife auf Augenhöhe
Sigma 300–600mm F4 DG OS | Sports
Von Robert Sommer


Wer sich ernsthaft mit der Natur- und Tierfotografie beschäftigt, weiß: das richtige Objektiv ist oft wichtiger als der Kamerabody selbst. Im letzten Jahr hatte ich die Gelegenheit, das Sigma 300–600mm F4 DG OS | Sports intensiv an der Sony Alpha 7R V einzusetzen und zu testen. Dieses Objektiv ist kein Allrounder, sondern ein hochspezialisiertes Werkzeug. Und genau das merkt man vom ersten Moment an.
Bereits beim ersten Kontakt wird klar, dass das 300–600mm für den Einsatz unter realen Naturbedingungen konzipiert wurde. Das Gehäuse ist massiv, hervorragend verarbeitet und umfassend gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Ob feuchte Morgenstunden, leichter Regen oder Staub in trockenen Landschaften – das Objektiv vermittelt jederzeit das Gefühl, dass man sich voll auf es verlassen kann.


Die Schalter und Bedienelemente sind wie gewohnt logisch angeordnet und wer schon einige Sigma Objektive hat, muss sich hier nicht erst umgewöhnen, sondern weiß diese sicher zu bedienen.
Ein Aspekt, der dieses Objektiv von klassischen Supertele-Festbrennweiten abhebt, ist die variable Brennweite von 300 bis 600mm und das bei durchgehender Blende 4. Um diese Flexibilität mit hoher Qualität zu bekommen, muss man allerdings auch ein Zugeständnis machen und das ist das Gewicht.
Daher ist bei einem Objektiv dieser Klasse das Dreibein keine Option, sondern meistens die klügste Entscheidung. Gewicht, Brennweite und Auflösung verlangen Stabilität. Und wenn die Kombination einmal sauber ausbalanciert steht, merkt man sofort, wie ruhig und präzise sich damit arbeiten lässt.




Wenn das Setting, wie die blühende Heide und dann auch noch das Licht passt, muss man nur noch auf das richtige Motiv warten, wie ein Reh im violetten Blütenmeer.


Genau hier wird aber auch klar, wie anspruchsvoll die Fotografie von Säugetieren ist, denn nicht nur die Momente sind flüchtig, sondern auch die Rehe. Fluchtdistanzen sind real. Ein falscher Schritt, eine kleine Bewegung – und der Moment ist vorbei


Das Reh – und die gemähte Wiese
Ein Problem ist, dass man zu Fuß fast immer Störfaktor Nummer eins ist. Im Auto dagegen wird man oft erstaunlich gelassen akzeptiert.
Morgens bin ich daher ab und zu auf Erkundungstour mit dem Auto unterwegs und besuche des Öfteren eine Wiese, die gerade in den Morgenstunden spannend ist, da man direkt Richtung Sonnenaufgang fotografieren kann. Ich hatte die Hoffnung ein Reh im Gegenlicht zu erwischen, aber wie es manchmal so ist, ist nicht jeder Sonnenaufgang spektakulär. Am frühen Morgen entdeckte ich tatsächlich ein Reh, welches sich gerade das Frühstück schmecken ließ. Es war leicht bewölkt und das Licht noch super weich, wodurch keine harten Kontraste entstanden.
Der Wetterbericht des nächsten Morgens war hingegen sehr vielversprechend, also kam ich rechtzeitig zum Sonnenaufgang wieder an der Wiese vorbei, in der Hoffnung erneut irgendwas Spannendes vor die Kamera zu bekommen. Doch ich musste feststellen, dass die Wiese gemäht war.
Zunächst war ich etwas enttäuscht, da Rehe auf einer abgemähten Wiese irgendwie nicht so fotogen sind, aber manchmal ergeben sich durch unvorhergesehene Aktionen auch neue Chancen.


Der Fuchs – und eine leicht umständliche Annäherung
Und dann sah ich ihn. Den Fuchs.
Im hohen Gras hätte ich ihn vermutlich nie bemerkt. Durch die gemähte Fläche hob er sich deutlich ab. Manchmal braucht es eben einen Perspektivwechsel – oder einen Landwirt mit Mähwerk.
Ich wusste, dass jede hektische Bewegung ihn vertreiben würde.
Also stieg ich nicht normal aus, sondern ich kletterte umständlich über die Beifahrerseite aus dem Auto, um keine Tür direkt in seine Richtung zu öffnen. Dann robbte ich so leise es ging ums Heck herum und legte mich schließlich hinter dem Auto auf die Straße. Nicht sehr elegant, aber effektiv.
Diese tiefe Kameraposition war entscheidend. Bei 600mm und Offenblende F4 löste sich der Hintergrund komplett auf. Der Fuchs stand frei, weich eingebettet in warme Farbübergänge.
Die Schärfe ist beeindruckend. Jede einzelne Haarspitze ist klar definiert. Und der Autofokus saß sofort auf dem Auge. Gerade bei Wildtieren gibt es oft keine zweite Chance und man darf sich nicht viel Zeit lassen.
Hier passte dann wirklich alles. Der Fuchs blickte neugierig genau in meine Richtung und so konnte ich ein paar Fotos machen, bevor die Neugier verflogen ist und der Fuchs sich aus dem Staub machte.


Doch Säugetiere sind nur die eine Seite der Medaille. Wie sich das Objektiv bei schnellen Vögeln schlägt, erfahrt ihr im zweiten Teil dieses Blogs.
ABOUT
Landschafts- und Tierfotograf
Robert Sommer geboren und aufgewachsen in Röbel / Müritz, ist ein Softwareentwickler aus Hamburg und ein international ausgezeichneter Naturfotograf. Fotografiert hat er schon immer gerne, doch erst mit dem Kauf der ersten Spiegelreflexkamera ging die Leidenschaft so richtig los. Während die ersten Jahre alles geknipst wurde, was vor die Linse kam, konzentriert sich Robert Sommer mittlerweile ausschließlich die Naturfotografie. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um Landschaften, Pflanzen oder Tiere handelt. Doch es gibt ganz klar einen Favoriten – die Vogelfotografie.
Die gefiederten Motive übten schon immer ihren Reiz auf ihn aus. Es gibt in Deutschland alleine über 300 Arten und endlose Möglichkeiten sich fotografisch auszutoben und immer neue Ideen umzusetzen, die einen immer aufs Neue herausfordern. Zu Beginn war es vor allem die Bewegung der Vögel im Flug einzufrieren, doch mittlerweile geht es vor allem darum, die Stimmung vor Ort einzufangen. Es geht um das Licht, die Emotionen und das Gefühl wie es war, als das Foto entstand.
Das beginnt bei einem ruhigen und windstillem Morgen am See, bei dem eine Graugans lautlos durch den lichtdurchfluteten Nebel fliegt. Es geht um endlose Stare, die auf einem Mühlenflügel sitzen, so als würden sie in einem Hotel wohnen, in dem noch ein Zimmer frei ist. Und das endet bei der Hektik und der Action, wenn ein Haubentaucher erfolglos versucht zu verhindern, dass sein Küken von einem Schwarzmilan erbeutet wird. Es geht um Naturerlebnisse, an die man sich auch noch Jahre später erinnert.