Mit der Sigma BF durch Lissabon
Sigma 90mm F2.8 DG | Contemporary
Sigma 35mm F2 DG | Contemporary
Sigma BF
Von Stefan Beutler


Es sollte also nach Portugal gehen. Zwei Wochen im Camper. So wenig Gepäck wie möglich – auch beim Kameraequipment. Ganz ohne Kamera wollte ich aber nicht losziehen, denn wer Portugal kennt, weiß um seine Kultur, seine Strände und all die fotogenen Orte. Diese Erfahrung durfte ich bereits im Mai 2025 machen, als ich Nora dort für einige Tage fotografieren durfte. Die große Kameraausrüstung kam diesmal nicht infrage. Zu viel Gewicht, zu viel Platz. Meine kleine Kamera war mir inzwischen zu alt: langsame Verschlusszeit, APS-C-Sensor und keine passenden Objektive.
Dann traf ich Jean, der gerade sehr aktiv mit der neuen Sigma BF unterwegs war. Ich nahm sie kurz in die Hand, spielte ein wenig damit – wie man eben als Fotograf mit einer neuen Kamera umgeht – und war sofort neugierig. Also organisierte ich mir für die zwei Wochen in Portugal eine Sigma BF, um sie auf dieser Reise auszuprobieren. Mit dabei waren zwei Objektive: das Sigma 35mm F2 DG | Contemporary und das Sigma 90mm F2.8 DG | Contemporary. Mein Ziel war klar: raus aus der Komfortzone meines „angeschweißten“ 85mm.
Der erste Eindruck war beeindruckend. Gewicht, Verarbeitung und Material wirkten extrem hochwertig. Das Gehäuse ist aus einem Block Aluminium gefertigt. Als gelernter Schlosser habe ich ein gewisses Gefühl für Metall und Verarbeitung – und genau das hat mich hier sofort überzeugt. Die Kamera wirkt minimalistisch und sehr reduziert. Anfangs etwas ungewohnt, aber sobald man das System verstanden hat, ist die Bedienung erstaunlich logisch. Besonders gefallen hat mir die Kombination aus Wahlrad und Statusmonitor. Die Schönheit des Einfachen.




Eine persönliche Herausforderung blieb: Fotografieren ausschließlich über das Display. Für jemanden wie mich, der normalerweise mit Sucher arbeitet, war das zunächst ungewohnt. Bei hellem Licht spiegelt das Display teilweise stark, was das Fokussieren erschweren kann. Hier hat mich der Autofokus mehrfach gerettet. Einmal eingestellt, folgt er dem Motiv sehr zuverlässig – auch in Situationen, in denen ich das Motiv auf dem Display kaum erkennen konnte.




Die ersten Tage in Portugal waren noch stark vom Urlaubsmodus geprägt. Ich wollte mich erholen und nicht sofort anfangen, alles fotografisch festzuhalten. Viele Momente hielt ich zunächst einfach mit dem Handy fest. Doch dann ging es nach Lissabon. Ich bin ein großer Fan der Arbeiten von Ovidiu Șelaru und Phil Penman. Ihre Bilder inspirieren mich immer wieder. Also begann ich bewusst, mein fotografisches Denken neu zu sortieren und mich stärker auf Architektur, Licht, Schatten und Details zu konzentrieren.




Plötzlich wurde alles interessant. Fenster, Türgriffe, Gitter, Regenrinnen, Straßen und Menschen. Ich wurde zum Beobachter. Die Sigma BF half mir dabei, diese Momente festzuhalten und schnell auf Situationen zu reagieren. Gleichzeitig entdeckte ich das 35mm-Objektiv für mich neu. Normalerweise arbeite ich viel mit 85mm – als Portraitfotograf liegt mir diese Brennweite sehr.
Doch diesmal wollte ich bewusst anders arbeiten. Mit 35mm hatte ich plötzlich mehr Raum im Bild, mehr Umgebung und mehr Informationen. In den engen Gassen von Alfama war das genau die richtige Entscheidung, denn mit dem 85mm hätte ich ständig Schritte nach hinten machen müssen – was dort schlicht nicht möglich gewesen wäre.




Ich wollte versuchen, typische Touristenspots anders zu fotografieren und gleichzeitig das echte Lissabon einzufangen. Wir waren unter anderem im Mosteiro dos Jerónimos, in der LX Factory, am Elevador de Santa Justa und am Castelo de São Jorge unterwegs. Besonders angetan hat es mir jedoch das Viertel Alfama. Alfama trägt noch immer den alten Charme der Stadt in sich. Die kleinen, verwinkelten Gassen, das hügelige Gelände und das Leben auf den Straßen machen diesen Stadtteil besonders. An jeder Ecke wartet eine neue Überraschung: ein kleines Café, eine Bäckerei, ein Restaurant oder einfach eine alte Tür, hinter der sich eine eigene kleine Welt verbirgt. Trotz des touristischen Andrangs haben wir dort immer wieder ruhige Momente gefunden und diese Atmosphäre sehr genossen.




Natürlich wollten wir auch die bekannte Rua Nova do Carvalho sehen, besser bekannt als „Pink Street“ oder „Umbrella Street“. Um ehrlich zu sein waren wir zunächst etwas überrascht, wie klein diese Straße eigentlich ist. Um uns herum viele Touristen, die Fotos machten. Nun – ich war ja selbst auch Tourist. Also suchte ich nach einer anderen Perspektive und entdeckte schnell die Spiegelung in einer Fensterscheibe. Daraus entstand das Bild mit den Schirmen. Sicher kein völlig neuer Ansatz und bestimmt schon oft fotografiert – aber eben noch nicht von mir.
Irgendwann mussten wir Lissabon verlassen und fuhren weiter Richtung Norden. Unser nächstes Ziel war Nazaré, ein Ort, der für seine gigantischen Wellen bekannt ist. Wir hofften natürlich auf spektakuläre Bedingungen – allerdings waren wir zur falschen Jahreszeit dort. Die berühmten Wellen entstehen meist im Winter, wir waren im Oktober dort. Also erwarteten uns strahlende Sonne und fast spiegelglattes Wasser. Trotzdem war es ein beeindruckender Ort. Wir gingen hinauf zum Farol da Nazaré, um den Blick über den Atlantik zu genießen und die Weite der Landschaft




Diese Reise hat mir gezeigt, wie gut es tut, sich zu reduzieren. Weniger Equipment, weniger Technik und mehr Aufmerksamkeit für das Motiv. Die Sigma BF war dabei mehr als nur ein Werkzeug. Sie fühlte sich jederzeit richtig an – schnell, präzise und unkompliziert. Ich sage immer: Man muss seine Kamera kennen und verstehen, dann kann man sich ganz auf das Bild konzentrieren. Die BF hat mir genau das ermöglicht. Der Autofokus hat mich nie im Stich gelassen und viele Bilder sahen bereits direkt in der Kamera so aus, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Natürlich muss man sich an das Spiegeln des Displays bei sehr hellem Licht gewöhnen, aber auch daran gewöhnt man sich schnell.
Am Ende blieb vor allem ein Gefühl: Diese Kamera hat mich dazu gebracht, anders zu sehen – und genau dafür nehme ich eine Kamera mit auf Reisen.
ABOUT
Peoplefotograf
Stefan Beutler ist ein deutscher Porträt- und People-Fotograf, der seit über 20 Jahren Menschen und ihre Geschichten in eindrucksvollen Bildern einfängt. Mit natürlichem Licht und offener Blende schafft er eine klare, reduzierte Bildsprache, die Emotionen und Authentizität spürbar macht. In seinen Aufnahmen spiegelt sich echte Nähe wider: Jeder Blick, jede Bewegung erzählt von den Persönlichkeiten seiner Motive und lässt Momente entstehen, die zugleich intim und universell wirken.