Unterwegs in der Extremadura zur Astrofotografie

Sigma 15mm F1.4 DG DN FISHEYE | Art
Von Ines Mondon-Ford und Mark James Ford

Leben nach den Mondphasen und die Abhängigkeit vom Wetter

 

Wenn man die Astrofotografie ernsthaft betreibt, muss man zwangsläufig sein Leben nach dem Mond ausrichten. Dabei hat dies keineswegs esoterische Gründe, wie manch einer vielleicht vermutet.

 

Die Neumondzeiten sind aufgrund des fehlenden Mondlichtes, welches den Nachthimmel sonst erhellt, einfach die besten Zeiten, um Deep Sky Objekte (also Himmelsobjekte, die sich außerhalb unseres Sonnensystems befinden) einzufangen. 

 

Dazu braucht es dann noch das passende Wetter. Ideal sind komplett wolkenlose Nächte.

Damit nicht genug, diese Nächte sollte man am besten an einem Ort verbringen, der wenig Lichtverschmutzung hat. Ein Blick auf eine Lightpollution Karte im Internet (https://www.lightpollutionmap.info) zeigt, dass diese Orte in Europa leider eher rar gesät sind.

 

All diese Komponenten sollten idealerweise zusammenpassen und so führt uns fast jeden Monat die Reise durch verschiedene Regionen Europas, um gemeinsam Deep Sky Objekte zu fotografieren.

Die Extremadura in Spanien

 

Die Extremadura, ein großes Gebiet im Südwesten Spaniens, ist vielen Naturfotografen bekannt. Diese Region bietet eine riesige Vielfalt an Fauna und Flora, insbesondere die Vogelwelt ist beeindruckend und faszinierend.

Mit über 8,3 % der spanischen Landmasse ist das Gebiet nicht gerade klein, allerdings umfasst es mit einer Bevölkerungsdichte von 25 Einwohnern pro km² nur 2,6 % der Einwohner Spaniens. Auf einer Fläche, die größer ist als die Schweiz oder die Niederlande leben also nur knapp über eine Millionen Einwohner. Wenig Menschen bedeutet in den meisten Fällen auch wenig Lichtverschmutzung und so ist die Extremadura ein Gebiet, in dem wir sehr gern zur Astrofotografie unterwegs sind. So auch im Mai dieses Jahres.

Ein Fisheye als Begleiter

 

Diesmal sollten es nicht nur Bilder mit den langen Brennweiten werden. Auch das 15mm F1,4 DG DN FISHEYE war dabei, um Aufnahmen von der Milchstraße in ihrer gesamten sichtbaren Schönheit zu machen und ein paar Impressionen dieser bezaubernden Landschaft einzufangen. Dass ein Fisheye für Milchstraßen Fotos gut passen würde, stand außer Frage. Ein Bildwinkel von 180° ist ideal, um möglichst viel Himmel einzufangen. Aber was würde man sonst damit tun?

 

Kann man die Schönheit dieser rauen, zum Teil auch sehr sanften Natur, die bunten Blumenwiesen, knorrigen Olivenbäume, das satte Grün und den Zauber der Landschaft mit einem Fisheye fotografieren? Kleiner Spoiler… „JA, man kann“. 

Man kann es, weil dieses Objektiv dazu einlädt, auf kreative Art und Weise die Weite und Größe einzufangen und weil es einfach verdammt viel Spaß macht, damit zu fotografieren. Ob man den Fisheye „Effekt“ dabei dezent oder vordergründig einsetzt, das bleibt den eigenen Vorlieben überlassen. Die meisten Bilder entstanden unter der Prämisse, dass man es dem Foto ansehen darf, dass es ein Fisheye Bild ist.

 

Neben der enormen Lichtstärke und der komfortablen Handhabung war es vor allem die Bildqualität bis an den Bildrand, welche letztendlich sehr beeindruckend war.

Von Bergen, Blumenwiesen, Ziegen und Olivenbäumen

 

Die Landschaft der Extremadura ist geprägt von felsigen Bergen, weiten Ebenen, Hochplateaus und einer vielfältigen Vegetation. Bunte Blumenwiesen, Olivenbäume und Eichenwälder wechseln sich mit kargen, steinigen Regionen mit sehr niedriger Vegetation ab. Dazu gibt es eine Vielzahl an Vogelarten. Geier und andere große Greifvögel ziehen majestätisch ihre Kreise, Bienenfresser sieht man immer wieder und viele weiter Vögel sind die täglichen Begleiter. Den Soundtrack unserer Tour liefert aber eindeutig der allgegenwärtige Wiedehopf mit seinem charakteristischen „upu – pup“. Kein Wunder, die vielen alten Bäume bieten ihm hervorragende Lebensräume.

Diese bizarren Bäume waren auch fotografisch faszinierend und wenn jemand skurrile Olivenbäume als Fotomotiv sucht, kann er wohl jahrelang in der Extremadura fotografieren. Bei angenehm warmen Temperaturen, umschwirrt von Schmetterlingen, umringt von Blumen, liegt man im Schatten eines Baumes, um dessen Krone oder Stamm mit einem wirklich guten Objektiv zu fotografieren. Eine sehr entspannte und schöne Art der Fotografie. Auch Nahaufnahmen der Flora aus ungewöhnlichen Perspektiven machen mit diesem Objektiv Spaß.

Die Landschaft ist geprägt von kleinen Dörfern mit zum Teil alten Häusern, mit Orangen- oder Zitronenbäumen vor der Haustür und Farmen mit Schafen, Ziegen, Hühnern, Kühen und anderen Nutztieren. 

 

Auf einer dieser Farmen, der Finca Las Lucías, haben wir übernachtet. Ihr bezaubernder Besitzer hat uns dabei nicht nur mit lokalem Essen verwöhnt, sondern wusste auch viel über Land und Leute zu berichten. Die Ziegen der Farm gaben nicht nur die Milch für einen köstlichen Ziegenkäse, sondern wurden auch kurzerhand zu lustigen Motiven für unser Fisheye.

Nach der Kür kommt die Pflicht

 

Auch wenn es normalerweise andersherum ist, tagsüber war es einfach unmöglich, der Kür, nämlich mit dem Sigma 15mm F1.4 DG DN FISHEYE unterwegs zu sein, zu widerstehen. Aber der Zweck unserer Reise waren ja nicht die Ziegenportraits auf der Farm unseres Gastgebers, also erinnerten wir uns unserer Pflicht und kümmerten uns um die Fotografie der Milchstraße. 

Im Mai ist es zwar noch recht früh dafür, aber es ist auf alle Fälle schon möglich. Da wir die ganze Nacht wach waren, um mit unseren Teleskopen Astrobilder zu fotografieren, war es auch kein Problem, dass die Milchstraße erst in den sehr frühen Morgenstunden erschien. Wer selbst einmal Milchstraßenbilder fotografieren möchte, sollte bedenken, dass in unseren Breiten das galaktische Zentrum der Milchstraße im Juni mit ca. drei Stunden zwar am längsten zu sehen ist, allerdings zu dieser Zeit kaum eine astronomische Nacht herrscht, sondern lediglich eine astronomische Dämmerung, die Sonne also nicht tiefer als 18° unter dem Horizont steht. Im September beispielsweise ist die Milchstraße deutlich vor Mitternacht sichtbar und das galaktische Zentrum erreicht immerhin noch eine maximale Elevation (Höhenwinkel über den Horizont) von 9°.

 

Auf einem Berg oberhalb unserer Farm fanden wir den idealen Standort für unser Vorhaben. Die ersten Aufnahmen machten wir im Tageslicht, um den Bildausschnitt zu finden. Die Milchstraßenbilder selbst entstanden dann zwischen 4 und 5 Uhr morgens, während im tiefer gelegenen Grasland unserer Teleskope Deep Sky Objekte einfingen.

Jeder, der sich schon einmal ernsthaft mit Astrofotografie beschäftigt hat, weiß: „Sterne vergeben nichts!“ Die Güte eines Objektives kann man tatsächlich daran erkennen, wie es Sterne abbildet. Diese Prüfung hat das 15mm F1.4 DG DN FISHEYE | Art mit Bravour bestanden. Vignettierung, Aberrationen und ein Nachlassen der Bildqualität an den Rändern oder in den Ecken sind absolut kein Thema und die Sterne werden in fantastischer Qualität abgebildet. So macht es wirklich Spaß die Milchstraße zu fotografieren, noch dazu, wenn die Milchstraße so grandios ist, wie wir sie in Spanien erleben durften. 

 

Unser Fazit: Dieses Objektiv hat uns ganz sicher nicht das letzte Mal auf einer Astroreise begleitet.

Fototipp „Frag den Bauer“
Astrofotografie – Expertentalk mit Ines Mondon-Ford

 

Mehr über Ines Mondon-Ford und Ihre Fotografie erfährst du in der neuen Folge unserer Fototipp-Reihe „Frag den Bauer“ auf unserem YouTube-Kanal. Im Gespräch mit unserem Produktmanager Harald Bauer erzählt Ines Mondon-Ford ausführlich über Ihre Reise nach Extremadura und gibt viele wertvolle Tipps für den Einstieg in die Astrofotografie.

ABOUT

INES MONDON FORD

Makrofotografin

Ines Mondon ist Sigma Referenzfotografin, Buchautorin, gibt Workshops und hält Vorträge. Sie ist außerdem ehrenamtliche Fotografin für die Organisation „Dein Sternenkind“. Ihre Schwerpunkte sind die Makrofotografie und ein Stück weit die Landschaftsfotografie, sowie die abstrakte und Detailfotografie. Ihre Stilmittel sind häufig gefühlvolle und pastellige Bilder, welche die Grenze zur Malerei berühren.

 

ABOUT

Dr. Mark James Ford

Naturfotograf

Dr. Mark James Ford ist SIGMA Referenzfotograf, Buchautor und hält Vorträge. Er ist vorwiegend im Bereich der Naturfotografie tätig und seine Touren rund um die Welt führen ihn an Orte, welche ihm fotografisch spannend erscheinen, wobei insbesondere Farben und Strukturen sein Interesse wecken. Seine Schwerpunkte sind die Makrofotografie, die abstrakte Fotografie und seit einiger Zeit nun insbesondere die Astrofotografie, der er sich im Moment besonders intensiv widmet, seine langjährigen fotografischen Erfahrungen einfließen lässt und ganz besonders eindrückliche und intensive Bilder kreiert. Mark nähert sich seinen Motiven stets künstlerisch und seine Bilder tragen häufig einen abstrakten Charakter.