Unterwegs in Madagaskar – Motivvielfalt und Bildideen
Sigma 28–105mm F2.8 DG DN | Art
Sigma 135mm F1.8 DG HSM | Art
Von Daniel Spohn


Reisefotografie klingt für mich immer nach einem Kompromiss: Nicht alles an Ausrüstung mitnehmen zu können (oder zu wollen), für spontane Situationen und Motive meist das vermeintlich falsche Objektiv montiert zu haben, mit begrenzter Zeit vor Ort doch das Beste rausholen zu wollen. Dieser Verzicht und selbstgemachte Druck kann auch etwas Heilsames und Kreatives haben. Denn statt sich in Ausrüstungsoptionen zu verlieren, fokussiere ich mich auf Motive, die mich wirklich interessieren und setze mich intensiver mit der Situation auseinander. Reisefotografie bedeutet nicht zwingend jeden Aspekt der Reise in epischen Bildern festhalten zu müssen. Es ist nicht die Frage: Welche Ausrüstungsoptionen sind für die Fülle an Situation die richtigen, sondern welche Bildidee möchte ich in diesen Situationen bestmöglich umsetzen können. In einem Land wie Madagaskar eine echte Herausforderung, für die mich das Sigma 28-105mm F2.8 DG DN Art und das Sigma 135mm F1.8 DG HSM Art begleitet haben. Warum fiel meine Wahl auf genau diese beiden Objektive?


Mit seinen zahllosen, ungeplanten und einzigartigen Fotomomenten und Motiven ist die Insel Madagaskar an der Ostküste Afrikas ein wahres Paradies für Natur- und Reisefotografen. Diese Vielfalt verführt schnell dazu, dauernd seine Objektive durchzuwechseln, was jedoch die wenigsten Situationen zulassen und dann schnell den Frust über verpasste Situationen ansteigen lässt. Also gilt es vor der Abreise einen genaueren Blick auf die zu erwartenden Anforderungen vor Ort und die Eigenschaften und Eigenheiten der anvisierten Objektive zu werfen. Staub- und Spritzwasserschutz macht bei dem meist tropischen Klima Madagaskars – zwischen Regenwald und Dornbusch – absolut Sinn. Auch wenn ich sogar Objektive ohne ausgewiesenen, erweiterten Wetter- und Umweltschutz auf meinen Reisen und Einsätzen in allen Klimazonen unserer Erde noch nie dauerhaft ruiniert habe, sicher ist sicher. Mit einem Brennweitenbereich vom moderaten Weitwinkel bis zum leichten Telebereich lässt mich das 28-105mm F2.8 DG DN Art in eine Vielzahl von Bildwelten eintauchen. Vom klassischen Landschaftspanorama über den gewohnten Seheindruck einer Normalbrennweite bis zu engeren Tele-Ausschnitten ist mit diesem Premium-Standardzoom Alles möglich.




Entscheidend war für mich auch die durchgängig lichtstarke Offenblende von f/2.8 bei 12 Blendenlamellen, um sowohl am unteren Ende als auch im Telebereich eine schöne, weiche Freistellung und gute Portraitwirkung erzielen zu können, ohne auf ein dediziertes Portrait-Objektiv wechseln zu müssen. Wieso ich trotzdem auch das 135mm F1.8 DG HSM Art mit auf diese Reise nahm? Weil ich noch Platz im Rucksack hatte ;).


Denn trotz der faszinierenden Makromotive Madagaskars, ließ ich mein 105mm F2.8 DG DN Macro Art dieses Mal zuhause. Mit seinem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:3,1 bei ebenfalls 105mm bot mir für die Reptilien und Amphibien Madagaskars das 28-105mm F2.8 DG DN Art alles, was ich brauchte. Da die Makrofähigkeit auf Madagaskar für mich essenziell ist, war auf meinen letzten Reisen ein Kamerabody unentwegt mit dem 105er Makro „blockiert“. Das 28-105er spielte nun auf dieser Reise seine vollen Allrounder-Fähigkeiten aus und das in allen Lebenslagen mit einer ebenfalls beeindruckenden Bildqualität.


Manchmal ist es viel wichtiger den Blick nicht nur auf den Brennweitenbereich zu richten, welches ein Objektiv abdeckt, sondern die konstruktiven Details und Eigenheiten im Auge zu behalten, aus denen sich vielfältige Bildideen ableiten lassen. Trotz gleicher Brennweite sind Objektive oft erstaunlich unterschiedlich. Parameter wie die Naheinstellgrenze, vorhandene Fokus-Begrenzungs-Schalter, Anzahl der Blendenlamellen, Durchmesser des Filtergewindes und natürlich die maximal verfügbare Lichtstärke sind hierbei für mich die wichtigsten Punkte.


Die exponentielle Beziehung der Blendenzahl und der Lichtstärke macht uns oft unsensibel für Unterschiede im lichtstarken Bereich. Obwohl es von Blende 2,8 zu Blende 1,8 genau wie von Blende 22 zu Blende 14 eineindrittel Blendenstufen – also etwas mehr als eine Verdopplung der in das Objektiv einfallenden Lichtmenge bedeutet, wird der nur gefühlt kleinere Unterschied von 2,8 auf 1,8 oft relativiert.


Grenzen verschieben sich mit der modernen Kameratechnik. Natürlich kann ich heute – auch dank KI-gestützter Entrausch-Algorithmen in der Nachbearbeitung – deutlich höhere ISO-Werte verwenden. Aber das bedeutet nicht zwingend, dass ich an lichtstarken Objektiven sparen kann. Flinke Motive oder High-Keys in Regenwäldern oder zur Dämmerung sind anders nicht möglich und die dramatischen ISO-Einsparungen bringen nicht nur bessere Bildqualität, sondern auch einen höheren Dynamikumfang des Sensors mit sich.


Viel entscheidender ist jedoch in meinen Augen die Auswirkung auf die Bildwirkung, genauer gesagt die Schärfentiefe und das Bokeh. Ein Meister dieses Fachs ist das SIGMA 135mm F1.8 DG HSM Art, welches durch seinen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:5 diesen Vorteil auch bei etwas kleineren Motiven ausspielen kann. Die meisten Tiere in Madagaskar sind nicht sonderlich scheu und so reichten mir in vielen Situationen auch die 135mm für die Wildlifefotografie von Lemuren völlig aus und ich konnte etwas mehr vom Lebensraum – in der Unschärfe abstrahiert – zeigen.


Mit einem Supertele bei den geringen Motivabständen im Wald wäre das so nicht möglich gewesen. Das zart und weich anmutende Bokeh durch bewusste Überbelichtung – auch bei wenig vorhandenem Licht – in zarte Pastelltöne verschieben zu können, ohne dabei die ISO durch die Decke zu jagen, das ist die wahre Stärke dieser Objektivkategorie. Ein Objektiv, welches diesen Look auf die Spitze treibt, ist das neue Sigma 200mm F2 DG OS Sports mit welchem ich mich sehr freue, irgendwann wieder nach Madagaskar aufzubrechen. Mal sehen, was dafür dann zuhause bleiben muss.
ABOUT
Naturfotograf
Daniel Spohn ist professioneller Naturfotograf, Fototrainer, Vortragsreferent, Autor, Veranstalter und Biologe. Weltweit auf der Suche nach einzigartigen und spannenden Geschichten sieht er seine fotografische Herausforderung darin, die Unordnung der Natur in Einklang mit unserem menschlichen Ästhetikverständnis zu bringen. Gerne kreativ, gerne ungewohnt, immer echt.
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