Warum weniger Kamera mehr Bikepacking bedeutet
Sigma 35mm F2 DG | Contemporary
Sigma BF
Von Maike Wittreck


Minimalismus wird im Bikepacking groß geschrieben. Man konzentriert sich auf das Wesentliche und nimmt nur das mit, was man auch wirklich auf der Fahrt brauchen wird. Alles andere bleibt zuhause. Wenn eine Kamera genau in dieses Konzept passt, dann ist es die Sigma BF: klein, leicht zu verstauen und an Minimalismus nicht zu überbieten. Nur ein paar wenige Bedienelemente und ein großer Bildschirm zieren die Rückseite der Kamera. Das war’s. Und mehr braucht es auch gar nicht.




Das Fehlen von unzähligen Rädchen und Knöpfen und der Fokus auf das Wesentliche zwingen dich, deine Kameraeinstellung ganz bewusst zu wählen. Fast wie in den Anfangszeiten der Fotografie. Dass ich zusätzlich die Blende am Sigma 35mm F2 DG | Contemporary mechanisch einstellen konnte, verstärkte dieses Gefühl noch einmal.
Doch wie schlägt sich so viel reduziertes Design, wenn man es durch Wind und Wetter von Deutschland in die Niederlande mitnimmt? Tatsächlich bildete die Sigma BF den perfekten Gegenpol zur Dynamik unserer Bikepacking-Reise. Während wir unsere Kilometer von Leer nach Utrecht bei viel Gegenwind abstrampelten, zwang mich die Kamera in den Momenten, in denen ich sie zückte, zum Abschalten.




Im Vergleich zu meinem Gravelbike ist die Sigma BF nämlich kein Sportgerät, das auf der Jagd nach Action-Fotos die ganze Zeit an deinem Körper hängt. Mit ihrem kantig-eleganten Design ist sie auch haptisch bewusst auf Präzision ausgelegt und kein klassischer Handschmeichler. Doch genau diese Haptik verleiht ihr einen charaktervollen Reiz. Man hält sie nicht mal eben locker im Vorbeifahren - man hält sie bewusst und aufmerksam. Während des Fahrens blieb sie deshalb sicher verstaut in meiner Lenkertasche und ich holte sie nur in unseren Pausen heraus oder an bestimmten Orten, die mir ins Auge sprangen.


Was sich erst wie ein Hindernis anfühlte, entpuppte sich als großes Geschenk für meine Fotografie und die Reise an sich. Denn jedes Foto war eine bewusste Entscheidung und das entschleunigte meine Art zu Fotografieren immens: die Reise stand im Vordergrund, nicht der Wunsch, jede Sekunde festzuhalten. Oft kommt die Seele eines Fotos auch durch die Wertschätzung und das Erleben eines Augenblickes zum Vorschein und nicht immer nur durch Zufälle oder das Festhalten eines jeden Momentes.






Erst als das Fahrrad sicher am Baum lehnte oder auf dem sandigen Boden der Heidelandschaft lag, holte ich die Sigma BF aus der Tasche. Bevor ich sie anschaltete, hatte ich schon das Licht, die Landschaft und mögliche Kompositionen wahrgenommen. Es fand immer erst ein Innehalten statt. Und weil ich zuvor Zeit hatte, meine Umgebung zu studieren, musste ich den Auslöser gar nicht mehr unzählige Male betätigen, denn das Foto war bereits in meinem Kopf entstanden. So konnte ich die BF schnell wieder verstauen und mich zu den anderen legen, um die Wolken zu beobachten.




Das bedeutet natürlich nicht, dass die Kamera ungeeignet für spontane Momente ist. Ganz im Gegenteil: der Autofokus ist so präzise und schnell, dass man keine Angst haben muss, etwas zu verpassen. Ein flinkes Auslösen ist also gar kein Thema - sie muss es nur nicht die ganze Zeit unter Beweis stellen.


Womit ich nicht gerechnet hatte: wieder daheim angekommen, nahm ich meine eigene Kamera wieder in die Hand und sie fühlte sich kurz fremd an. Zu viele Knöpfe, zu viele Rädchen. Die Sigma BF hatte mich in nur fünf Tagen umerzogen.




Am Ende nehme ich nicht nur hunderte Kilometer in den Beinen mit nach Hause, sondern eine neue Perspektive: Dass die besten Bilder genau dort entstehen, wo man sich die Zeit nimmt, wirklich hinzusehen. Wer diese Ruhe in der Satteltasche hat, findet in der Sigma BF eine starke Verbündete.
ABOUT
Landschaftsfotografin
Maike Wittreck packt seit ihrer ersten großen Reise ans andere Ende der Welt immer wieder das Fernweh. Neuseeland war mit seinen schneebedeckten Bergen und blauen Gletscherseen der reinste Spielplatz für Landschaftsfotografie und somit war eine Leidenschaft geboren. Auch die Liebe zum Wandern wurde dort entfacht. Seitdem hält sie nichts allzu lang im Haus. Die rohe, ungezähmte Natur ist ihr Zufluchtsort, wenn das Leben verrückt spielt. Diesen Zufluchtsort möchte sie durch ihre Fotografie mit anderen Menschen teilen und sie zum träumen einladen.
