Auf den Spuren der Moschusochsen im Herbst und Winter

Sigma 100-400mm F5-6.3 DG DN OS | Contemporary
Sigma 60-600mm F4.5-6.3 DG DN OS | Sports
Sigma 150-600mm F5-6.3 DG DN OS | Sports
Sigma 28–105mm F2.8 DG DN | Art
Von Julia und Tim Glaeser

Seitdem wir 4 Monate zuvor zum ersten Mal im Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark (Auf den Spuren der Moschusochsen im Sommer) waren, wussten wir, dass wir wiederkommen müssen. Dass wir innerhalb weniger Monate gleich zweimal die Chance bekommen würden, übertraf all unsere Hoffnungen. Nach unserem ersten Besuch gab es zwei Szenarien, die wir unbedingt in Zukunft fotografisch festhalten wollten: Zum einen die Kämpfe der männlichen Moschusochsen und zum anderen die Tiere im tiefsten Winter, umringt von Schnee, soweit das Auge reicht. Beide Gelegenheiten sollten wir erhalten.

Herbstmagie

 

Ein Farbenmeer, dass sich wie ein Teppich über den Boden zieht und eine weite, offene Landschaft umringt von imposanten Bergen – Der Dovrefjell im Herbst ist wohl für jeden Naturfotografen ein Traum. Und in dieser magischen Kulisse: drei Moschusochsen, die minutenlang miteinander kämpfen. Immer wieder nehmen sie Anlauf und rammen ihre dicken Hornplatten aneinander. Wir konnten unser Glück kaum fassen!

Beim Kampf der Bullen geht es darum Dominanz und Stärke zu zeigen. Die drei kämpfenden Männchen zu sehen war vor allem deshalb so besonders, weil die Rangkämpfe eigentlich nur bis August stattfinden und wir erst Mitte September bis Anfang Oktober im Nationalpark waren. Aus diesem Grund gehen wir davon aus, dass es sich nur um Übungskämpfe gehandelt hat.

 

Mit dabei hatten wir für unsere Herbst-Tour unser 100-400mm F5-6.3 DG DN OS, welches uns bereits im Sommer gute Dienste leistete, sowie unser 60-600mm F4.5-6.3 DG DN OS. Besonders den großen Zoombereich des 60-600mm fanden wir für diesen Trip passend, um sowohl formatfüllende Aufnahmen der Tiere machen zu können als auch um die wundervolle Landschaft einfangen zu können.

Für besonders weiches Licht waren wir vor allem zum Sonnenauf- und untergang unterwegs.

Für uns ist einer der wichtigsten Tipps in der Wildlifefotografie das Verhalten der Tiere und ihren Lebensraum möglichst gut kennenzulernen. Aus diesem Grund planen wir immer ein mehrere Tage oder sogar Wochen, an dem jeweiligen Ort zu bleiben. So konnten wir auch in diesem Fall die ersten Tage nutzen, um den Standort der Moschusochsen auszumachen und stellten fest, dass sie vor allem morgens und abends viel fressen und sich bewegen, während sie sich zur Mittagszeit eher ausruhen. Dieser Aufbau an Energiereserven ist für die Tiere besonders wichtig, da sie im Winter bis zu 30-40% ihres Körpergewichts verlieren.

Kurz vor dem Ende unseres Herbst-Aufenthalts wurden wir dann sogar noch vom ersten Schnee überrascht. Und auch wenn der Schnee nur eine dünne, weiße Decke am Boden bildete, bekamen wir bereits den ersten Eindruck davon, wie der Nationalpark im Winter aussehen würden und uns war klar: Das müssen wir sehen.

Eisige Kälte, Windchill-Effekt und gefrorenes Display – Der Winter im Dofrefjell

 

Und nicht nur die Tiere müssen sich auf die kalten Temperaturen vorbereiten. Für unseren dritten und dieses Mal sogar mehrwöchigen Aufenthalt im Januar war es unser Ziel einen Kurzfilm über die Moschusochsen im Winter zu drehen.

 

Zuvor recherchierten wir sehr gründlich welches Equipment wir brauchen und was wir bedenken müssen, denn bei Temperaturen von unter -25 Grad Celsius sind Erfrierungen ein ernstzunehmendes Thema.

Die richtige Expeditionskleidung ist dabei der erste Punkt. Zum einen mussten wir dafür sorgen möglichst lange warm zu bleiben, da wir teilweise über mehrere Stunden die Tiere nur beobachten. Gleichzeitig wollten wir bei den langen Wanderungen nicht Gefahr laufen, vom Schwitzen nasse Kleidung zu haben. Daher entschieden wir uns für das Zwiebelprinzip und Merinowolle. Außerdem mit dabei hatten wir 2 Paar Handschuhe, Schneeschuhe (man sinkt teilweise fast einen Meter in dem Tiefschnee ein), Wanderstöcke sowie eine Stirnlampe.

 

Ebenfalls nah am Körper sollte man ausreichend Kamera-Akkus dabeihaben. Bei solchen Minusgraden entladen sich die Akkus, auch wenn sie nicht in Benutzung sind, sonst sehr schnell. Da uns bereits unser erster Tag mit -31 Grad empfing, konnten wir unser Equipment direkt dem Härtetest unterziehen. Schnell merkten wir, dass unsere Akkus bereits nach ca. 30 Minuten in der Kälte leer waren und das Display unserer Kamera die Aufnahmen nur noch zeitverzögert anzeigte, da die Kristalle im Display nur sehr langsam reagierten.

Begeistert waren wir vor allem von der Robustheit unserer Objektive. Für die Wintertour hatten wir uns entschieden, unser All-time-Favourite, das 100-400mm F5-6.3 wieder mitzunehmen und dieses Mal mit dem 150-600mm F5-6.3 DG DN OS zu ergänzen, mit dem wir in erster Linie die Moschusochsen filmen wollten. Für die Behind-the-scenes Aufnahmen des Films hatten wir das 28-105mm F2.8 DG DN dabei. Damit konnten wir zusätzlich schöne B-Roll Aufnahmen der Landschaft einfangen als auch Portraitaufnahmen von uns machen.  

Außerdem ermöglichte uns die offene Blende des 28-105mm auch in der blauen Stunde zu filmen und zu fotografieren. Alle drei Objektive haben uns während dieser Zeit niemals im Stich gelassen und konnten in der Qualität, trotz Kälte, durchweg überzeugen.

Zum Filmen von Wildlife bevorzugen wir Linsen mit einem möglichst großen Zoombereich, um so durchgehend flexibel zu sein. Dies ist wichtig, um von einer Szene schnell unterschiedliche Perspektiven aufzunehmen und so dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln, mitten dabei gewesen zu sein. Außerdem ist es bei diesen Temperaturen ratsam, so selten wie möglich das Objektiv zu wechseln. Aus diesem Grund war das 150-600mm eine hervorragende Wahl für die Wildlife-Aufnahmen.

Da die Tage so weit oben im Norden im Winter sehr kurz sind, waren wir oft bereits vor Sonnenaufgang im Gelände und kehrten erst nach Sonnenuntergang wieder zurück. So konnten wir die Tiere den ganzen Tag beobachten und filmen bzw. fotografieren.

Die große Reichweite von 600mm war für uns besonders im Winter wichtig, um die Tiere nicht zu stören, stets die Distanz zu ihnen wahren zu können und dennoch eindrucksvolle Aufnahmen zu erhalten. Oft bedeutete dies aber auch, dass wir mehrere Stunden in der Kälte ausharren mussten und warteten, dass die Moschusochsen wach werden. Viel Zeit, um die eindrucksvolle, schneebedeckte Landschaft zu genießen und um über mögliche Bildkompositionen nachzudenken. So z.B. auch die Bildidee, die Moschusochsen mit dem markanten Berg Snøhetta im Hintergrund einzufangen.

Fazit

 

Die Moschusochsen im Wandel der Jahreszeiten beobachten und fotografieren zu können, war etwas ganz Besonderes für uns. Nicht nur, weil es spannend war zu sehen, wie die Landschaft und damit das Verhalten der Tiere sich verändert hat, sondern auch, weil jede Zeit ihre eigenen (fotografischen) Herausforderungen und Highlights mit sich brachte. Während im Juni alles grün war und die Tiere sich oft zwischen den Bäumen in tieferen Ebenen versteckten, brachte der Herbst bei der Suche nach den Tieren ganz andere Hindernisse mit sich, da die Tiere mit ihrer braunen Fellfarbe fast vollständig mit den Sträuchern und Gräsern verschmolzen und kaum auszumachen waren. Im Winter wiederum hatten wir bei Sonnenschein zwar hervorragende Sicht, schneite es jedoch, konnten wir nur wenige Meter weit sehen und nur hoffen, dass die Moschusochsen wieder in der Nähe von dem Standort sein würden, wo wir sie am Tag zuvor gesichtet hatten.

Doch desto mehr Zeit wir mit den Tieren verbrachten, umso besser lernten wir ihre Spuren zu lesen, ihr Verhalten zu deuten und uns entsprechend anzupassen. Am Ende konnten wir so verschiedenste Bildideen umsetzen, tiefe Einblicke in ihr Sozialverhalten gewinnen und intime Momente mit der Kamera festhalten.

ABOUT

Wildlife- und Outdoorfotografin

Julias Leidenschaft für die Tierwelt, das Meer und Reisen, fand die perfekte Ergänzung, als sie das erste Mal eine Kamera in die Hand nahm. Seither gab es kaum eine Reise bei der sie nicht versuchte, diese Schönheit mit einer Linse einzufangen. Ihr Ziel ist es, mit ihren Bildern Menschen zu inspirieren kreativ zu werden, mehr rauszugehen und gleichzeitig auf die Bedrohung der Natur aufmerksam zu machen.

 

Ihre Begeisterung für die Fotografie erstreckte sich bald auch auf die Videographie. Egal ob beim Tauchen mit Tigerhaien, bei Expeditionen durch malerische Schneelandschaften oder einer Island-Umrundung: Die Kamera muss immer dabei sein. Nicht nur um die Erlebnisse für immer festzuhalten, sondern um mit den Bildern eine Geschichte zu erzählen - über den Ort, die Stimmung des Augenblicks und die Besonderheit des jeweiligen Moments. 

 

ABOUT

Wildlife- und Outdoorfotograf

Tim ist leidenschaftlicher Natur- und Outdoorfotograf mit besonderem Fokus auf Wildlifefotografie, sowohl Über- als auch Unterwasser. Er liebt es, die unberührte Schönheit der Natur einzufangen und einzigartige Momente für immer mit der Kamera festzuhalten: Seien es kämpfende Moschusochsen, jagende Marlins oder die Naturgewalt eines Gletschers.

 

Mit seinen Bildern und Videos erzählt er fesselnden Geschichten über die Natur, die Menschen daran erinnern, wie einzigartig und schützenswert unser Planet ist.