Hundefotografie mit 35mm F1.4 und 20–200mm F3.5–6.3

Sigma 20–200mm F3.5–6.3 DG | Contemporary
Sigma 35mm F1.4 DG II | Art
Von Regine Heuser

35mm F1.4 DG | Art und 20–200mm F3.5–6.3 DG | Contemporary – zwei Objektive, zwei völlig unterschiedliche Bildwelten

 

Die Wahl des richtigen Objektivs ist in der Hundefotografie entscheidend. Nicht nur für die technische Qualität, sondern vor allem für die Bildwirkung. Ich arbeite bewusst mit unterschiedlichen Brennweiten, je nach Location, Lichtsituation und Bildidee. Gerade die Kombination aus einer lichtstarken Festbrennweite und einem flexiblen Zoom eröffnet ganz neue Möglichkeiten.

 

Für diesen Beitrag habe ich mit dem Sigma 35mm F1.4 DG II | Art und dem Sigma 20-200mm F3.5-6.3 DG | Contemporary gearbeitet, zwei Objektive, die unterschiedlicher kaum sein könnten und sich genau deshalb perfekt ergänzen.

35mm – Nähe, Atmosphäre und Bildgestaltung

 

Das 35mm ist für mich eine der spannendsten Brennweiten in der Hundefotografie.

 

Es zwingt dich dazu, näher an den Hund heranzugehen. Dadurch entsteht automatisch eine ganz andere Verbindung im Bild, direkter, intensiver und oft auch emotionaler.

Auch im urbanen Umfeld spielt das Objektiv seine Stärke voll aus.

 

Die Umgebung wird nicht einfach unscharf „weggedrückt“, sondern bewusst in die Bildgestaltung integriert. Linien, Strukturen und Architektur werden Teil des Motivs.

 

Genau das sieht man in den City-Aufnahmen:

  • Der Hund auf der Fensterkante wirkt eingebettet in die Architektur
  • Pflastersteine und Hausfassaden geben Tiefe und Kontext
  • Perspektiven aus Bodennähe verstärken die Bildwirkung zusätzlich 

Die Offenblende von F1.4 sorgt gleichzeitig für eine sehr schöne Freistellung. Das Motiv hebt sich klar ab, ohne dass die Umgebung komplett verloren geht. Natürliche Rahmen wie Fenster oder Türen geben dem Bild Struktur und lenken den Blick gezielt auf das Motiv.

Eine Perspektive aus Bodennähe sorgt für mehr Tiefe im Bild. Durch die Kombination aus Vordergrund und Hintergrund entsteht trotz Weitwinkel eine klare Fokussierung auf den Hund.

Das Ergebnis: Schärfe, Tiefe und Atmosphäre in einem Bild

 

Das macht das 35mm zu einer perfekten Ergänzung zu klassischen Telebrennweiten, besonders dann, wenn du mehr Umgebung zeigen möchtest oder in engen Gassen kreativ fotografieren möchtest.

20–200mm – maximale Flexibilität bei minimalem Gewicht

 

Während das 35mm bewusstes Arbeiten fordert, steht beim Sigma 20-200mm F3.5-6.3 DG | Contemporary vor allem eines im Fokus: Flexibilität.

 

Ein großer Vorteil ist das geringe Gewicht. Gerade bei längeren Shootings oder wenn man viel unterwegs ist, macht das einen enormen Unterschied.

Es ist ein Objektiv, das man einfach mitnimmt. Und genau das spiegelt sich auch im Einsatz wider:

  • schnelle Wechsel zwischen Weitwinkel und Tele
  • spontane Bildideen schnell umsetzen
  • vielseitig einsetzbar für Portrait und Action

Besonders bei Hunden ist das ein großer Vorteil, weil sich Situationen oft sehr schnell verändern.

 

In der Praxis zeigt sich genau hier der größte Vorteil dieses Objektivs. Du bist nicht gezwungen, dich auf eine Brennweite festzulegen, sondern kannst spontan auf jede Situation reagieren.

Gerade bei Hunden, die sich bewegen, die Position wechseln oder unterschiedlich weit von dir entfernt sind, sparst du dir wertvolle Zeit – und verpasst keine entscheidenden Momente.

 

Statt Objektive zu wechseln, bleibst du im Flow des Shootings und kannst dich komplett auf das Motiv konzentrieren.

 

Der Einsatz längerer Brennweiten sorgt für eine klare Bildstruktur und reduziert störende Elemente im Hintergrund auf ein Minimum.

Besonders spannend ist dabei die Veränderung der Bildwirkung innerhalb des Zoombereichs.

 

Während du im Weitwinkelbereich mehr Umgebung in deine Bilder integrieren kannst, sorgt der Telebereich für eine deutlich ruhigere und konzentriertere Darstellung des Motivs.

 

Durch die längeren Brennweiten entsteht eine stärkere Hintergrundkompression, wodurch der Hintergrund ruhiger wirkt und der Hund noch klarer im Fokus steht.

Genau diese Flexibilität macht das Objektiv in der Hundefotografie so vielseitig einsetzbar.

Portrait und Action mit einem Objektiv

 

Mit längeren Brennweiten im Telebereich lassen sich klassische Hundeportraits umsetzen:

  • ruhiger Hintergrund
  • angenehme Kompression
  • klare Fokussierung auf das Motiv

Gleichzeitig eignet sich das Objektiv auch für Actionbilder, da man flexibel auf Distanz arbeiten kann.

 

Du kannst den Bildausschnitt anpassen, ohne dich selbst bewegen zu müssen – ein großer Vorteil bei dynamischen Situationen.

Aber genau hier liegt auch der Gedanke hinter diesem Objektiv:

Es geht nicht um extreme Freistellung, sondern um Vielseitigkeit.

 

In der Praxis bedeutet das:

  • Du arbeitest bewusster mit Licht
  • Du nutzt deine Umgebung gezielter
  • und du bleibst flexibel in deiner Bildgestaltung

Gerade in der Hundefotografie ist das oft wichtiger als eine extrem offene Blende.

Und die Lichtstärke?

 

Natürlich ist das Objektiv nicht auf maximale Lichtstärke ausgelegt.

Viel wichtiger ist aber, dass du verstehst, wie Licht, Abstand und Hintergrund zusammenwirken.

 

Ein ruhiger Hintergrund und ausreichend Abstand zwischen Hund und Umgebung sorgen auch bei etwas geschlossener Blende für ein sehr schönes Bokeh.


Wenn du das bewusst einsetzt, ist die Lichtstärke oft gar nicht mehr der entscheidende Faktor.

Zwei Objektive – zwei Bildsprachen

 

Was diesen Test für mich besonders spannend gemacht hat, ist der direkte Vergleich.

 

Mit dem 35mm entstehen Bilder, die Nähe und Atmosphäre transportieren.
Mit dem 20–200mm entstehen flexible, klassische Aufnahmen mit klarer Trennung von Motiv und Hintergrund.

 

Beide Ansätze haben ihre Berechtigung. Und genau darin liegt der größte Vorteil.

 

Du kannst je nach Situation entscheiden:

  • Will ich die Umgebung bewusst einbauen? → 35mm
  • Oder möchte ich flexibel reagieren und variieren? → 20–200mm

Fazit

 

Die Hundefotografie lebt von Vielfalt, sowohl in der Bildgestaltung als auch in der technischen Umsetzung.

 

Das Sigma 35mm F1.4 DG II | Art überzeugt mit herausragender Schärfe, Lichtstärke und einer Bildwirkung, die besonders im urbanen Umfeld ihre Stärke zeigt.

 

Das Sigma 20-200mm F3.5-6.3 DG | Contemporary hingegen ist ein extrem vielseitiger Begleiter, der durch sein geringes Gewicht und seinen großen Brennweitenbereich überzeugt.

 

Für mich ergänzen sich beide Objektive perfekt  und genau diese Kombination macht es möglich, in jeder Situation die passende Bildidee umzusetzen.

ABOUT

Tierfotografin

Regine Heuser ist eine der bekanntesten Spezialistinnen für Hundefotografie im deutschsprachigen Raum. Sie hat bereits die Hunde zahlreicher Prominenter, darunter Wolfgang Joop, Udo Walz und Johann Lafer, fotografiert und ihr Wissen in Fachzeitschriften, Workshops und Video-Trainings weitergegeben.

 

In ihren Kursen steht immer der Mensch hinter der Kamera im Mittelpunkt: Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer wird individuell gecoacht, unabhängig vom Kameramodell oder Hersteller. Ihr praxisnaher Ansatz und ihr Gespür für Licht und Timing machen sie zu einer gefragten Expertin in der Tierfotografie.

 

Ihr Motto: „Raus aus der Automatik.“ Denn wer seine Kamera wirklich versteht, fotografiert bewusster, kreativer und mit mehr Ausdruck – egal ob mit Profi-Equipment oder kompakter Kamera.